Im Jahr 2045 will Symrise im gesamten Konzern klimaneutral sein. Auf dem Weg dahin hat das Unternehmen rund um die Welt und an allen Standorten Maßnahmen ergriffen, um seinen CO2-Ausstoß zu redu­zieren. Die Grundlage dafür ist der Low-Carbon-Transition-Plan, der an ganz unterschiedlichen Stellen greift.

GUTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG UND KLIMA

Granada gehört mit zu den sonnenreichsten Städten Europas. Fast sieben Stunden am Tag scheint in der südspanischen Region Andalusien die Sonne. Auch deswegen wurden auf den Dächern des Werks für Duftstoffe, das Symrise dort im Jahr 2021 erworben hat, Photovoltaik-Module installiert. Aus der Vogelperspektive ist der Anblick beeindruckend: Mit 4.800 Quadrat­metern Fläche erzeugt die Anlage jährlich ungefähr 1.600.000 Kilowattstunden Strom – damit könnten in Deutschland 385 Vierpersonenhaushalte ein ganzes Jahr lang versorgt werden. Den Strombedarf der Duftstoffproduktion deckt die Installation zu 15 %.

Die PV-Anlage in Spanien ist eine von Hunderten von Maßnahmen, mit denen Symrise in den kommenden Jahren seine CO2-Emissionen reduzieren will. „Wir haben unsere Klimastrategie im Jahr 2010 als eines der ersten Unternehmen weltweit formuliert. Damals wollten wir bis 2020 ein Drittel unseres CO2-Ausstoßes einsparen. Das haben wir schon 2016 erreicht und direkt noch ambitioniertere Ziele festgelegt“, sagt Dr. Helmut Frieden. Symrise steuert das Unter-1,5-Grad-Ziel bei den Scope-1- und Scope-2-CO2-Emissionen an – also beim Ausstoß des Treibhausgases, das unmittelbar durch die Produktion oder durch die eingekauften Energien entsteht. Beim Scope 3, den klimaschädlichen Gasen in der vor- und nachgelagerten Lieferkette, will das Unternehmen das Unter-2-Grad-Ziel erreichen, sagt der Vice President Corporate Sustainability bei Symrise. Bis zum Jahr 2030 soll der Konzern im Scope 1 und 2 klimaneutral werden und den Scope 3 um 30 % reduzieren – bis zum Jahr 2045 soll der Konzern insgesamt ­klimaneutral werden. Klimaschutz ist Symrise wichtig, auch für das Geschäftsmodell. „Wir beziehen unsere Rohstoffe zum Großteil aus der Natur, deswegen ist es für uns selbstverständlich, das Klima und die Biodiversität zu schützen“, sagt Helmut Frieden. 

Dr. Helmut Frieden arbeitet mit dem Nachhaltigkeitsteam von Symrise daran, die Klimaziele zu erreichen.

„Wir beziehen unsere Rohstoffe zum Großteil aus der Natur, deswegen ist es für uns selbst-verständlich, das Klima und die Biodiversität zu schützen.“

Dr. Helmut Frieden,
VP Corporate Sustainability

Das Nachhaltigkeitsteam in Holzminden hat dafür zunächst in enger Zusammenarbeit mit den Standorten in Deutschland die kommenden Jahre und Jahrzehnte geplant und mit Investitionssummen hinterlegt. Am Anfang stehen vergleichsweise einfache Maßnahmen. Photovoltaik-Anlagen installieren beispielsweise, oder die Autoflotte auf Elektromobilität umstellen. Technologisch anspruchsvoller wird es danach. „Wir wollen die Produktion elektrifizieren, um von fossilen Brennstoffen wie Erdgas wegzukommen“, sagt Helmut Frieden. Dafür sollen zum Beispiel Elektroden­kessel für Hochdruckdampfnetze oder industrielle Wärmpumpen installiert werden. Die ­Planung blickt aber auch schon weiter. „Wir haben auch die Nutzung von Wasserstoff im industriellen Maßstab mit eingeplant, auch wenn es dafür noch keine Netze gibt. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir in 15 Jahren damit loslegen können“, sagt Frieden. Für den Nachhaltigkeitsmanager bleiben die Pläne auch dann umsetzbar, wenn Symrise wie bisher beständig wächst. „Wir haben höhere Produktionsvolumina direkt mit einbezogen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.“ Die Investitionen sind hoch, auch das macht Frieden deutlich. „Wir werden unsere Ausgaben aber an vielen Stellen innerhalb kurzer Zeit amortisieren, weil wir zum Beispiel deutlich sinkende Energie- und CO2-Kosten haben werden.“

Die Ergebnisse, die in Deutschland entstanden sind, werden nun weltweit ausgerollt. Dafür wurden zunächst die Standorte mit den höchsten Emissionen bestimmt. Die Produktionsstätten in den USA verursachen mehr als die Hälfte aller CO2-Emissionen. Dort soll auch der nächste Schwerpunkt gesetzt werden. Deutschland steht auch wegen der Größe der Werke am Stammsitz an zweiter Stelle der Liste, es folgen Ecuador und Mexiko. „Die genauen Investi­tionen legen wir nun fest, indem wir die Standorte identifizieren, die das höchste Optimierungspotenzial haben“, sagt Helmut Frieden.

An vierter Stelle der Liste der Standorte steht Frankreich, wo vor allem das Segment Taste, Nutrition &  Health zahlreiche Fabriken betreibt. Von hier aus, in Rennes in der Bretagne, überblickt Thierry Lenice die Pläne. „Wir werden in den USA, Mexiko und China mit unseren Werken beginnen und dann schnell alle übrigen Produktionen einbeziehen“, sagt der Low Carbon Transition Manager. Er beschäftigt sich aber auch intensiv mit dem Scope 3, dessen Kern der ­CO2-Fußabdruck der Rohstoffe ist. „Rund 80 % der Treibhausgase entstehen bei der Produktion und beim Transport unserer Naturstoffe“, sagt Thierry Lenice.

Ein Ansatzpunkt sind dabei die Rezepturen für die Produkte, deren Lebenszyklen sein Team in den vergangenen Jahren untersucht hat. Dazu gehören neben anderen Aspekten auch Umweltauswirkungen wie der Ausstoß von CO2-Äquivalenten. Thierry Lenice hat zur Illustration zwei Gläser Limonade vor sich gestellt. Das eine Getränk ist die Originalversion, das andere hat eine optimierte Rezeptur, um im Gesamtprodukt den CO2-Abdruck zu senken. „Wir haben bisher für diese Limonade einen reinen Orangenextrakt verwendet. Nun haben wir diese geschmacksgebenden Bestandteile durch eine andere Mischung verändert“, sagt der Manager. „Statt 100 % Orangenextrakt aus Brasilien zu verwenden, mischen wir nun 20 % heimischen Pilzextrakt bei, der uns dieselbe Textur und den denselben Geschmack liefert.“ Beide Produkte sind rein natürlich, schmecken identisch – und für die neue Mischung werden entlang der gesamten Wertschöpfungskette weniger Treibhausgase ausgestoßen. 

Mit Hilfe dieses Ecodesigns lassen sich durchschnittlich 30 % an Emissionen einsparen. Dafür blickt Thierry Lenice auch auf die lokalen Produzenten. „Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen. Wir gleichen ab, wie sie sich auf der einen Seite für einen besseren CO2-Fußabdruck engagieren und wie wir ihnen auf der anderen Seite dabei helfen können, nachhaltiger zu werden“, sagt Thierry Lenice. „Für viele ist es alleine wegen ihrer Größe gar nicht so einfach, die Standards zu erfüllen und zu dokumentieren“, beschreibt er die Herausforderungen von Zulieferern, die mit Tausenden von Kleinbauern zusammenarbeiten. Für Lenice ist diese Art der Kooperation besonders wichtig. „Wir leben von der Landwirtschaft und beziehen dort unsere Rohstoffe. Wenn wir uns also hier engagieren, können wir an einer sehr bedeutenden Stellschraube drehen und unsere Produkte deutlich nachhaltiger machen.“ 

„Rund 80 % der Treibhausgase entstehen bei der Produktion und dem Transport unserer Naturstoffe.“

Thierry Lenice,
Low Carbon Transition Manager