Das Symrise-Programm Bridging the Gap bringt internationale Marken, lokale Unternehmen und Entwicklungsorganisationen zusammen. Auf Elinor Lanuzas Farm auf den Philippinen zeigt sich, wie diese Partnerschaften die Kokosindustrie widerstandsfähiger machen.

Ein dumpfer Schlag auf den Boden, die grüne Kokosnuss rollt ein, zwei Meter über die feuchte Erde. Elinor Lanuza blickt nach oben und blinzelt in die Morgensonne, die durch die Palmen strahlt. Sie nickt dem Arbeiter zu, der neben ihr steht. Er hält eine zehn Meter lange Stange in die Höhe, die aus ineinander gesteckten Bambushölzern besteht und an deren Ende ein scharfes Messer befestigt ist. „Da hängen noch drei direkt nebeneinander“, sagt die 55-Jährige und zeigt nach links. Der Arbeiter führt den Stab in die Richtung, auf die die Landwirtin gedeutet hat. Er löst die Kokosnüsse, die im Bündel zu Boden fallen. Elinor Lanuza hebt eine auf, begutachtet sie. „Die sind reif und haben eine sehr gute Qualität“, sagt sie und legt die Steinfrucht auf einen Stapel. 

Auf der zwei Hektar großen Farm, die Elinor Lanuza gemeinsam mit ihrem Mann Alen führt, ist Erntetag – wie bei Hunderttausenden anderen Kleinbauern auf den Philippinen. Insgesamt gibt es in dem Land 2,5 Millionen Kokosbauern, die dafür sorgen, dass dieses zum zweitgrößten Kokosproduzenten der Welt nach Indonesien wurde. Elinor und ihre Familie leben in einem der Hauptanbaugebiete, in Camarines Norte, rund acht Autostunden von der Hauptstadt Manila entfernt. 

Herausforderungen auf allen Ebenen

Die kleine Plantage von Elinor und Alen Lanuza liegt eingebettet in eine wildgrüne Landschaft, die fruchtbar und vielfältig aussieht. Doch der Schein trügt: Viele Kokospalmen sind überaltert und tragen nur noch wenige Früchte, in manchen Gebieten wurde seit Jahrzehnten nicht mehr neu aufgeforstet. Studien der Organisation „Sustainable Coconut Partnership“, die in der Region Asien-Pazifik durchgeführt wurden, zeigen, dass rund 90 Prozent der Kokospalmen bereits älter als 32 Jahre sind und kaum neue Flächen gerodet werden. Das hat dazu geführt, dass laut der Philippine Coconut Authority durchschnittlich jährlich gerade einmal 40 bis 45 Früchte pro Baum geerntet werden können, etwas mehr als ein Drittel von dem, was zum Beispiel die Kokosnusspalmen in Indonesien im Durchschnitt hervorbringen. 

Daneben haben die Landwirte kaum Erfahrung damit, unterschiedliche Früchte oder Gemüse auf denselben Feldern als Mischkulturen anzubauen oder überhaupt ihren Anbau zu diversifizieren, um das Land effizienter zu nutzen und die Produktqualität sowie ihr Einkommen zu erhöhen. Viele Landwirte haben zudem keine wirksamen Strategien, um die Produktivität zu steigern, etwa im Bereich der Bodenpflege und des Erhalts von Ökosystemen. Sie haben außerdem nur begrenzten Zugang zu ertragreichen Kokospalmensorten sowie zu Düngemitteln. Darüber hinaus gibt es zu wenige Schulungen, um effizienter Landwirtschaft betreiben zu können, insbesondere vor den Auswirkungen des Klimawandels. 

Auch die extreme Preisvolatilität belastet den Alltag. Das Fruchtfleisch, das sogenannte Kopra, wird zu Kokosöl verarbeitet, das wiederum vom Weltmarkt abhängig ist und mit anderen natürlichen Ölen konkurriert. Zudem sind die meisten Farmen kleiner als zwei Hektar. Selbst bei durchschnittlichen Erträgen ist das kaum genug, um eine Familie stabil zu ernähren. „Manchmal mussten wir entscheiden, ob wir Reis kaufen oder Schulmaterial“, erinnert sich Elinor Lanuza.

Gemeinsam unterstützen wir die Kleinbauern, schützen die Biodiversität, fördern Klimawandel-resiliente Anbausysteme und sichern gleichzeitig langfristig die Verfügbarkeit und die Qualität unserer RohstoffeDr. Isabella Tonaco, Chief Sustainability Officer bei Symrise

Bauern hat das Programm SDG Coco+ geholfen.

Nachhaltige Lieferketten stärken

500 Bauern, zu denen auch Elinor Lanuza gehört, hat das Programm SDG Coco+ geholfen, das Symrise gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Pernod Ricard und Franklin Baker Company of the Philippines im Jahr 2020 gestartet hat. Es gehört zur Bridging the Gap (BTG)-Initiative von Symrise. „Wir nutzen diese Dachplattform für ein Portfolio wegweisender Programme, mit denen wir in mehreren Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas Maßnahmen umsetzen, die nachhaltige Auswirkungen auf Kleinbauern sowie auf die Biodiversität haben und gleichzeitig unsere Lieferketten sichern“, erklärt Dr. Isabella Tonaco, Chief Sustainability Officer bei Symrise, das Konzept. BTG ist als Multi-Stakeholder-Initiative zum Beispiel in Madagaskar, Indien und Brasilien tätig. Dazu gehören zum Beispiel große Marken wie Haleon, Natura oder die Magnum Ice Cream Company, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder Nichtregierungsorganisationen wie Save The Children. „Gemeinsam unterstützen wir die Kleinbauern, schützen die Biodiversität, fördern Klimawandel-resiliente Anbausysteme und sichern gleichzeitig langfristig die Verfügbarkeit und die Qualität unserer Rohstoffe“, nennt Dr. Isabella Tonaco die Ziele der Zusammenarbeit. 

In Camarines Norte kooperiert Symrise eng mit Franklin Baker. Der Zulieferer beschafft die Kokosnüsse direkt von den Bauern im Rahmen des BTG-Programms und verarbeitet sie in der eigenen Fabrik weiter. Das getrocknete feine oder grobe Kokosfleisch wird in Bäckereien, Müsliriegeln und Eiscremes auf der ganzen Welt verwendet, aus dem konzentrierten Kokosnuss-Wasser werden wiederum die geschmacksgebenden natürlichen Bestandteile für Lebensmittel und Getränke hergestellt. So entsteht zum Beispiel der ikonische Geschmack von Malibu, einem Kokoslikör von Pernod Ricard, das ebenfalls Partner der BTG-Initiative ist.

Training für die Landwirte

Eine große Rolle nimmt auch die GIZ ein, die Trainings- und Feldaktivitäten direkt in den Gemeinden umsetzt. Momentan profitieren rund 500 Bauern von dem Programm. Auf dem Hof von Elinor Lanuza ist die Transformation sofort zu sehen. Wo früher nur Palmen standen, wachsen heute Gemüse und Kräuter sowie blühende Arten, die Bestäuber anziehen, das Ökosystem stärken und die natürliche Bodenfruchtbarkeit fördern. Die Familie hält zudem Schweine und Hühner und hat einen Fischteich eingerichtet. Abfälle aus Haushalt und Feld werden zu Kompost verarbeitet, getrocknete Palmblätter dienen als Mulch. Der Boden hat sich verändert: er ist dunkler, feuchter, lebendiger geworden. „Wir haben verstanden, dass Boden unser wichtigstes Kapital ist“, sagt Elinor Lanuza, deren Eltern schon als Kokosnussfarmer gearbeitet haben. „Er gibt zurück, was wir in ihn investieren.“ 

Ihre Farm ist ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn ein gut durchdachtes Programm auf eine engagierte Landwirtin trifft. Elinor Lanuza führt mit ihrer Familie mittlerweile auch zwei kleine Läden für den täglichen Bedarf. Gleichzeitig hat die zweifache Mutter ihren Betrieb im Rahmen des BTG-Programms zu einer Demonstrationsfarm ausgebaut, auf der andere Bauern lernen können, wie sie sich besser für die Zukunft aufstellen können.

Wir wollen, dass die Bauern nicht nur gute Produzenten sind. Sie sollen Unternehmer sein, die ihre Zukunft in der Hand haben.Patricia Rodriguez, GIZ

Patricia Rodriguez verantwortet die Umsetzung der BTG-Programmaktivitäten. Die Mitarbeiterin der GIZ erklärt heute einer Gruppe von Bauern, wie sie Beete so anlegen können, dass das Wasser besser gespeichert und die Bodenerosion verhindert wird. Gemeinsam mit ihrem Team steht sie vor einer Leinwand, auf der per Beamer gezeigt wird, wie zum Beispiel Bestäuber gefördert, natürliche Nützlinge geschützt und chemische Eingriffe reduziert werden können. Neben ihr liegen Schulungsmaterialien, die die Bauern mitnehmen können, von Preisübersichten über einfache Risikoanalysen bis zu Planungsblättern und Rollenspielen, mit denen die Bauern Verhandlungen üben können. „Wir wollen, dass die Bauern nicht nur gute Produzenten sind“, sagt Patricia Rodriguez. „Sie sollen Unternehmer sein, die ihre Zukunft in der Hand haben.“ Ein weiterer wichtiger Bestandteil für eine bessere Zukunft kommt von der philippinischen Regierung: Die Philippine Coconut Authority will die Bauern dabei unterstützen, bis zum Jahr 2028 über 100 Millionen neue Kokospalmen im ganzen Land zu pflanzen.

Das Programm SDG Coco+ bringt zwei Seiten zusammen: den Wunsch der Unternehmen nach einer verlässlichen und verantwortungsvollen Beschaffung – und die Bedürfnisse der Landwirte, die das Rückgrat der Wertschöpfungskette bilden und zugleich besonders verletzlich sind. Die Unterstützung erreicht sie direkt und schafft Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft.

Zentrale Bausteine sind die vollständig nachvollziehbare Lieferkette und faire Praktiken, die nach Fair-Trade-US-Standards überprüft werden. Dazu trägt bei, dass der Weiterverarbeiter Franklin Baker ausschließlich ganze Kokosnüsse einkauft und diese selbst industriell verarbeitet. 

Landwirtschaft mit Zukunft

In Camarines Norte geht zu dieser Jahreszeit die Sonne früh unter, die Palmen werfen lange Schatten. Elinor Lanuza beendet den Arbeitstag, nachdem sie noch einmal nach den Hühnern gesehen hat. Sie will zurück ins Haus, zur Familie zum gemeinsamen Abendessen. Die Landwirtin blickt über die Beete, schaut hoch in die Palmen. „Die Landwirtschaft ist für uns so wichtig, weil wir damit Geld verdienen und unsere eigene Nahrung produzieren. Nun verdienen wir mehr, das ist sehr gut.“ Sie unterbricht sich selbst und lächelt. „Früher wollten die Kinder hier immer alle weg“, sagt sie. „Heute sehen sie, dass die Landwirtschaft auch bei uns eine Zukunft haben kann.“

Nachhaltiger Erfolg in zwei Phasen 

Die Landwirtschaft verliert in vielen Ländern an Attraktivität und Zukunftsfähigkeit, weil viele Kinder von Landwirten keinen landwirtschaftlichen Beruf mehr ergreifen möchten. Diese wachsende Generationenlücke gefährdet langfristig die Ernährungssysteme – besonders angesichts der weiter steigenden Weltbevölkerung. Das Bridging-the-Gap-Programm will das ändern, indem es Landwirte mit Wissen, Werkzeugen und Motivation ausstattet, damit diese ihr volles Potenzial als Agrarunternehmer entfalten und ihre Lebensbedingungen verbessern können.

Auf den Philippinen lief das Programm in einer ersten Phase von 2020 bis 2024. Diese startete unter schwierigen Bedingungen, weil die COVID-19-Pandemie Trainings und Aktivitäten massiv verzögerte. Trotz dieser Herausforderungen erreichte das Programm deutlich mehr, als ursprünglich geplant war. Die Produktivität der Kokosbauern stieg weit über das Ziel von 20 Prozent hinaus. Auch die Einkommen der Familien wuchsen deutlich stärker als die angestrebten 15 Prozent. Viele Bauern begannen außerdem, ihre Felder zu diversifizieren und neue Kulturen unter den Kokospalmen anzubauen. Das half ihnen, Risiken abzufedern und zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Gleichzeitig verbesserten sich ihr Zugang zu Märkten, zu Finanzierungsmöglichkeiten und zu lokalen staatlichen Unterstützungen.

Im März 2025 begann die zweite Phase des Programms. In dieser neuen Phase wurde eine Basisstudie durchgeführt, die es ermöglichte, neue Ziele zu setzen, um das Nettoeinkommen der Haushalte um weitere 15 Prozent zu steigern. Die landwirtschaftliche Produktivität soll ebenfalls um etwa 20 Prozent steigen, um die Kokosnussproduktion stabil zu halten und die steigende Nachfrage zu decken. Ein Schwerpunkt sind regenerative Landwirtschaftsmethoden, die die Gesundheit der Böden verbessern, die Biodiversität fördern und die Farmen widerstandsfähiger gegen Wetterextreme machen sollen. Zusätzlich wird eine CO₂-Basislinie erstellt, um besser zu verstehen, wie klimawirksam die heutige Kokosproduktion ist. Auf dieser Grundlage sollen zehn Pilotfarmen konkrete Pläne entwickeln, um die Emissionen zu reduzieren. Zudem wurde untersucht, wie stark Landwirtinnen und Landwirte Hitzestress ausgesetzt sind – die Erkenntnisse fließen künftig in Schulungen zu Gesundheits- und Arbeitsschutz ein. Außerdem entstehen weitere Demonstrationsfarmen, auf denen Bauern regenerative Techniken für die traditionelle Kokosernte testen und lernen können. 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den unternehmerischen Fähigkeiten der Bauern. Sie sollen lernen, ihre Finanzen besser zu planen, Risiken zu managen und neue Absatzwege zu erschließen.